Karl Borromäus Museum in der Karlskirche, Wien IV.

Leistungsumfang

  • Holztafelbild »Heilige Familie« um 1600 von Daniel Fröschl 
  • Porträt  »Fischer von Erlach« von Jakob v.Schuppen
  • fünf barocke Ölbilder auf Leinwand samt vergoldeten Rahmen
 heilige familie um 1600 von Daniel Fröschl – zustand nach restaurierung

heilige familie um 1600 von Daniel Fröschl – zustand nach restaurierung

»Heilige Familie« von Daniel Fröschl

Die Holztafel »Heilige Familie mit dem Johannesknaben verehrt von Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Anna« von Daniel Fröschl ist ein Werk der sogenannten Dürer-Renaissance der Zeit um 1600, als Dürers Kunst neu entdeckte und begann seine Arbeiten nachzuahmen und zu kopieren. Diese Bewegung ging besonders vom Hof Kaiser Rudolf II. in Prag aus und es spricht vieles für die Annahme, dass das Werk im Milieu des Prager-Wiener Hofes zu Beginn des 17.Jahrhunderts entstand (Prof.Dr.Fritz Koreny)

Zustand des Gemäldes und Restaurierungsproblematik

 Zustand vor restaurierung mit späteren ergänzungen: verlängerung im unteren bereich

Zustand vor restaurierung mit späteren ergänzungen: verlängerung im unteren bereich

Ursprünglich bestand der Bildträger aus drei vertikal verleimten Holzbrettern (Eiche). Die Rückseite der Holztafel wurde in der Vergangenheit (19 Jh.) parkettiert. Erst viel später, vermutlich in den 50er Jahren des 20. Jh., wurde das originale Bildformat verlängert mit einem unten angeklebten Spannholz-Brett.

Den Zustand des Gemäldes vor Restaurierung konnte man als stabil bezeichnet, die parkettierte Holztafel zeigte keine größeren Verzögerungen und nur bei der Verbindungsstellen wurden schmale Risse festgestellt. Die Malschicht befand sich in sehr gutem Zustand, es gab keine gravierenden Fehlstellen, auch ihre Haftung zum Untergrund war ausreichend. 

Da die sekundären Formatänderungen optisch sehr störend wirkten und funktionslos schienen, entschloss man sich, nach Rücksprache mit Eigentümer und Behörden, die angeklebten Zierleisten und das zusätzliche Brett zu entfernen – ohne das Original zu beschädigen.

Während des Verfahrens wurde im rechten oberen Bildabschnitt das Monogramm samt Datierung »AD1520« entdeckt.

Danach erfolgten die Reinigungsmaßnahmen der Bildseite. Bei der Abnahme des Firnisses konnten auch die alten, jedoch leicht lösbaren Retuschen reduziert werden. Während des Verfahrens wurde im rechten oberen Bildabschnitt das  Monogramm samt Datierung »AD1520« entdeckt.. Nach UV-Licht- und mikroskopischen Untersuchungen der Dürer-haften Signatur wurde es festgestellt, dass diese aus der Entstehungszeit des Werkes stammt. 

Die Röntgenaufnahmen brachten noch mehr interessante Details ans Licht. Unter der sichtbaren Darstellung der »Heiligen Familie« befand sich noch ein Bild - Kopfporträt eines Mannes! Die Feststellung der Stratigraphie von Malschichten und deren Untersuchung bzw. dendrologische Holzuntersuchung von Bildträger könnten viele neuen Erkenntnisse beibringen und vieles klären. Diese Maßnahmen wurden, auf Grund der fehlenden Erlaubnis vom Eigentümer, leider nicht ausgeführt.

Wer ist der porträtierte Mann? Aus welcher Zeit und vor allem aus welcher Hand stammt das Werk unter dem heute präsentierten Gemälde? Ist das möglicherweise das unvollendete Porträt des Kaisers, über dessen Dürer in seinen Tagebücher schreibte, und bis heute nicht gefunden wurde? Diese Fragen bleiben offen und bilden nur eine weitgehende, spannende Hypothese, die hoffentlich in Zukunft doch gelöst wird.